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Porsche 911 Carrera 4 GTS im Test
Porsche 911 Carrera 4 GTS
Diese Begrüßung hatten wir nicht erwartet: "Das ist ja ein alter Elfer!" Da fährt man am Wochenende mit einem schicken, dazu noch knallig gelben Porsche zur Familie aufs Land, und dann dieser Empfang. Zugegeben: Das mit dem alten 911 ist ja nicht ganz verkehrt. Ganz richtig ist es aber auch nicht. Denn der Carrera und der Carrera S sowie in Kürze die dazu passenden Cabrios präsentieren sich mittlerweile runderneuert und tragen die interne Typenbezeichnung 991. Der Carrera 4 GTS hingegen basiert noch auf dem Vorgängermodell 997 und bildet gewissermaßen den Abschluss dieser Baureihe. Seit Sommer 2011 ist er auf dem Markt und wird es voraussichtlich noch bis 2013 bleiben. Also eben doch kein alter Elfer.

Der leistungsstärkste Carrera
"Mehr Leistung. Mehr Dynamik. Mehr Sport." So wirbt Porsche selbst für den aktuell leistungsstärksten Carrera im Programm. Dessen Sechszylinder-Boxer mit 3,8 Liter Hubraum bekam einen überarbeiteten Ansaugtrakt, modifizierte Zylinderköpfe sowie eine optimierte Motorsteuerung verpasst. Resultat sind 408 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment. Die sorgen für einen mehr als standesgemäßen Vortrieb des Allrad-Sportlers. Eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung verteilt die Antriebskräfte variabel zwischen Hinter- und Vorderachse. Drohen etwa beim Beschleunigen die Hinterräder durchzudrehen, wird ein Teil des Motormoments nach vorne geleitet. Eine mechanische Hinterachs-Quersperre unterstützt die Fahrdynamik des Allradsystems.

Immer noch eine Schippe drauf
Vom Start weg spurtet der hochdrehende 911 Carrera 4 GTS zügig los, garniert vom charakteristischen Elfer-Sound, der sich dank serienmäßiger Sportabgasanlage auf Knopfdruck noch markanter gestalten lässt. Über mangelnde Kraft braucht man sich keine Gedanken zu machen, denn egal bei welchem Tempo, der Carrera 4 GTS kann immer noch eine Schippe draufpacken. Maximal 300 km/h schafft der schwäbische Sportler. Das für 3.713 Euro erhältliche Doppelkupplungsgetriebe PDK wechselt seine sieben Gänge sehr rasch, sanft und ruckelfrei. Ambitionierte Fahrer können auch die Schaltwippen am Lenkrad nutzen, doch wirklich notwendig ist das nur in wenigen Fällen.

In 4,2 Sekunden auf Tempo 100
Sehr zu empfehlen ist das aufpreispflichtige "Sport Chrono Paket Plus": weniger aufgrund der mittig auf der Armaturentafel platzierten Stoppuhr, die nicht mehr als ein nettes Gimmick ist, sondern vielmehr wegen der Sport- und der Sport-Plus-Taste. Wird einer dieser beiden zusätzlichen Modi aktiviert, spricht das Gaspedal noch spontaner an, agiert der Motor noch bissiger und werden die Gänge noch weiter ausgereizt. Gleichzeitig verhärten sich die elektronisch geregelten Dämpfer, die Lenkung arbeitet spürbar direkter. "Sport" und "Sport Plus" sind vor allem dann sinnvoll, wenn man besonders sportlich unterwegs sein möchte, es auf reine Beschleunigung ankommt oder bei einem Besuch auf der Rennstrecke. Den Spurt von null auf Tempo 100 packt der 911 Carrera 4 GTS bei gedrückter Sport-Plus-Taste in 4,2 Sekunden – und damit noch einmal zwei Zehntelsekunden schneller als ohnhin schon. Auf längeren Reisen sollte man sich allerdings mit dem Normalmodus begnügen. Denn selbst dann ist das Fahrwerk noch so straff, dass wir uns nach zwei Stunden Autobahnfahrt aufs Aussteigen freuen. Zumal wir selbst in den Sportsitzen mit vielfach elektrischen Verstellmöglichkeiten keine Sitzposition gefunden haben, die als langstreckentauglich zu bezeichnen wäre.

Dezente Erkennungsmerkmale
Optisch ist der Carrera 4 GTS an einigen kleinen, aber feinen Details auszumachen. So gibt es eine leicht veränderte Frontschürze mit schwarz lackierter Spoilerlippe. Ebenfalls in Schwarz gehalten sind die neu geformten Seitenschweller. Am Heck wurde zugunsten erhöhter Fahrdynamik die Karosserie um 44 Millimeter, die Spur um 32 Millimeter verbreitert. Die GTS-Modelle rollen zudem serienmäßig auf schwarzen 19-Zöllern, die unser Testwagen jedoch gegen silberne Räder mit Winterbereifung getauscht hatte. Beim Blick in den mit Alcantara und Leder ausgekleideten Innenraum fällt auf, dass der Carrera 4 GTS als astreiner Zweisitzer daher kommt. Die Rückbank wurde aus Gewichtsgründen eingespart, kann aber ohne Aufpreis dazu bestellt werden. Es ist aber ohnehin fraglich, wie häufig in einem 911 jemand hinten Platz nehmen möchte. Im Fond bietet der Zweitürer ohne Rücksitze sogar noch etwas mehr Ablageplatz, der angesichts des nur 105 Liter fassenden Gepäckfachs auch gut zu gebrauchen ist.

Normverbrauch nicht unerreichbar
Den Durchschnittsverbrauch für den 911 Carrera 4 GTS mit PDK gibt der Hersteller mit 10,5 Liter an. Und tatsächlich konnten wir bei einer Autobahnfahrt, die aufgrund starken Regens nicht mehr als 130 km/h zuließ, laut Bordcomputer diesen Wert auch in die Tat umsetzen. Aber dass man einen Porsche derart beschaulich über den Asphalt bewegt, dürfte wohl eher die Ausnahme darstellen. Angesichts dessen muten die 14,6 Liter, die sich unser Testwagen im Laufe von 14 Tagen durchschnittlich gönnte, deutlich realistischer an. Zu haben ist der 911 Carrera 4 GTS ab 111.956 Euro. Wie bei Porsche üblich, lässt sich der Preis weiter in die Höhe treiben. In unserem Testwagen waren neben dem Doppelkupplungsgetriebe unter anderem ein Navigationssystem (1.928 Euro), das Sport Chrono Paket Plus (1.226 Euro), Keramikbremsen (8.033 Euro), adaptive Sportsitze (2.065 Euro) und ein Bose-Soundsystem (1.214 Euro) verbaut.


 
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